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Die praktische Dawah in seinem Zuhause

Dieses Feld (der Dawah) – das praktische, alltägliche Feld – ist ohne Zweifel schwierig und braucht Erfahrung. Aber es ist leicht und einfach, wenn man es locker angeht.


Erstens: Das Zuhause besteht aus Mann und Frau, ob jung oder alt.

Die Kinder sind hier nicht das Thema – wie man sie erzieht oder mit ihnen spricht. Sondern es geht um die Erwachsenen.
Hinsichtlich des Zuhauses, wird von dir verlangt, dass du auf dieses Haus schaust: auf das Gute darin, das die Bewohner mögen, und auf das Schlechte, das manche Bewohner tun und mit dem du nicht einverstanden bist.

Jedes muslimische Haus enthält Dinge des Guten und Dinge des Schlechten. Der Blick auf das Gute muss zusammen mit dem Blick auf die schlechten und verwerflichen Dinge erfolgen. Warum? Weil sie das Gute angenommen haben und das Schlechte ebenfalls angenommen haben. Du möchtest also, dass sie von dir eine Vermehrung der guten Dinge akzeptieren, die sie bereits praktizieren, und dass sie von dir eine Verringerung der schlechten und verwerflichen Dinge akzeptieren, die sie ausüben.

Deshalb: Wenn du auf das Zuhause blickst, analysiere zuerst – wie man sagt – die positiven und negativen Seiten. Analysiere die guten Taten und analysiere die verwerflichen Dinge. Dann betrachte die Ursachen für das Entstehen des Guten und die Ursachen für das Entstehen des Schlechten.
Oft wirst du sehen, dass die Ursachen für das Gute der vollständige Glaube ist, der sich in ihnen befindet; das aufrichtige Verlangen der Hausbewohner nach der Wohnstätte des Jenseits und nach dem Guten. Das braucht von dir Förderung. Diese Förderung geschieht durch Dinge, die den Glauben im Herzen verankern. Und das Wichtigste dabei ist, dass die Bewohner des Hauses an die Liebe zum Qur’an und zum Gedenken Allahs gewöhnt werden.

Bring diese Dinge ins Haus hinein – selbst wenn es nur durch gemeinsames Lesen mit ihnen in einem kurzen Zeitraum geschieht. Das heißt: fünf oder zehn Minuten, in denen sich alle versammeln, um aus dem Buch Allahs zu lesen, ihm zuzuhören oder einen Vers auswendig zu lernen und Ähnliches. Das ist etwas, was alle gutheißen werde, und gegen fünf oder zehn Minuten wird sich normalerweise niemand stellen.


Das Thema des Gebets – besonders bei den Frauen:

Oft sieht man, dass Frauen im Haus vernachlässigt werden. Man sieht, dass sie zwar beten, aber bei vielen geschieht das Gebet ohne Demut. Viele Frauen verrichten das Gebet hastig. Darauf sollte man achten und versuchen, es auf passende Weise zu behandeln, indem man zum Beispiel zu ihr sagt: „Dies ist die Fatwa der Gelehrten“ oder „Dies sind die Hadithe, die über dieses (schnelle) Gebet überliefert wurden.“ Im Gebet könntest du ein Tasbih mehr sprechen, noch zwei Tasbihat hinzufügen und Ähnliches. Das Gebet, welches zu hastig verrichtet wird, ist ungültig. Und dies geschieht mit einer liebevollen Ausdrucksweise zwischen dem Sprechenden und der Angesprochenen.

Wenn du nun auf die andere Seite blickst – jene, auf die sich viele Duʿāt (Rufer) oder diejenigen konzentrieren, die sich um die Verbesserung der Häuser bemühen –, nämlich die Seite der verwerflichen Dinge in den Häusern:
Die verwerflichen Dinge haben unterschiedliche Stufen. Es gibt große und schwere Verfehlungen, mittlere und leichtere. Doch alle haben gemeinsam, dass sie verwerflich und verboten sind. Deshalb ist es wichtig, wie man seinen Blick darauf ordnet.
Zum Beispiel gibt es ein Haus, dessen Männer die Gemeinschaftsgebete nicht besuchen. Gleichzeitig gibt es vielleicht die Prüfung des Rauchens, oder das Anschauen verbotener Dinge – wie etwa Geräte, mit denen sie Frauen anschauen und ähnlichen verbotenen Inhalten –, oder andere verbotene Praktiken im Haus, unerlaubte Beziehungen, Kontakte und Ähnliches.


Wie ordnest du nun die Situation dieses Hauses so, dass du sie auf die nächste Stufe bringst?

Wenn du direkt zu der Sache kommst, an der sie am meisten hängen, obwohl sie die leichtere Sünde ist, und (absichtlich) nicht darüber redest, dann akzeptieren sie (die größeren Sachen) eher. Das wurde ausprobiert und man hat gesehen, dass es in vielen Häusern Erfolg bringt.
Zum Beispiel die starke Bindung an den Fernseher im Haus, während sie gleichzeitig größere Verfehlungen haben als das. Wenn der Dāʿiy (Rufer) Tag und Nacht nur darüber spricht, entstehen Barrieren zwischen ihm und ihnen. Doch wenn er darüber schweigt – so wie die Gelehrten über manches schwiegen und wie der Prophet befahl, dass jene zuerst zum Gebet aufgefordert werden sollten, bevor man ihnen die Zakah auferlegte – wenn er also darüber schweigt und stattdessen auf die größere Katastrophe oder die größere Verfehlung schaut und sich bemüht, diese zu beseitigen, selbst wenn er über das andere ein Jahr lang schweigt, dann führt das zu Akzeptanz.

Denn zur Natur der Seele gehört, dass sie es nicht liebt, sich auf einmal von allem zu lösen, woran sie hängt.

Und man soll auf sich selbst schauen, vor allem diejenigen, die früher nicht rechtgeleitet waren und dann rechtgeleitet wurden. Allah – erhaben ist Er – sagt (sinngemäß):

So wart ihr zuvor. Aber dann hat Allah euch eine Wohltat erwiesen.

Unterscheidet also klar.

Der Mensch soll an sich selbst denken: Wenn jemand ihm früher gesagt hätte: „Verlasse an einem einzigen Tag den Zustand, in dem du dich befindest, und gehe sofort in den Zustand über, in dem du heute bist“, dann hätte er sich das weder vorstellen noch sofort annehmen können. Vielmehr geschieht dies über eine Zeitspanne hinweg.
Daher gibt es Dinge, über die man schweigen kann. Dinge, bei denen man weder das Gesicht verhärten noch hart sprechen und verbieten muss – bis eine Zeit kommt, in der sie das von dir annehmen. Aber unter der Bedingung, dass du dich bemühst, sie von ihrem Zustand zu etwas Besserem zu führen, also etwas Größeres zu missbilligen, als das geringere Übel, was sie begehen.
Das ist die Realität in den Häusern und jedes Haus hat seine eigene Analyse und seine besonderen Umstände.
Wenn du das Thema aus einer anderen Perspektive betrachtest – nämlich die Situation des Mannes in seinem Haus: Manche Männer geben ihrem Haus nur wenig (Aufmerksamkeit), erwarten aber von den Bewohnern, dass sie genau so werden, wie er es verlangt.
Das funktioniert nicht.
Der Mann – ob Vater oder Bruder – muss seinem Haus viel (Aufmerksamkeit) geben. Er muss viel Zeit für seine Familie aufbringen, damit sie seine Worte annehmen.
Die Menschen in dieser Zeit – Männer, Frauen, Kinder, Jugendliche, junge Männer und junge Frauen – haben Bedürfnisse. Sie möchten hierhin und dorthin gehen. Sie erwarten vom Mann, dass er Zeit mit ihnen verbringt und mit ihnen rausgeht.
Wenn du ihnen das nicht gibst…! Die Seele hat ihre Natur. Sie wird von Gedanken eingenommen, aus denen Dinge hervorgehen können, die du selbst nicht gutheißt.


Deshalb gehört es zu den wichtigsten praktischen Mitteln der Dawah im Haus, viel von seiner Zeit zu geben und die Familie zu Dingen zu führen, die sie mögen. Und während dieser Zeit kann man viele Dinge vermitteln, die Allah – erhaben ist Er – und Sein Gesandter befohlen haben.

Dem Haus Zeit zu geben, bedeutet also, sowohl im Haus selbst zu sitzen und gemeinsam im selben Haus Zeit zu verbringen als auch mit den Kleinen und Großen hinauszugehen.


Ebenso gehört es zu den wichtigen Dingen im Haus, auf die seelische Verfassung der Familienmitglieder zu achten. Die seelische Verfassung des Einzelnen soll also dementsprechend behandelt werden.

Vielleicht konzentriere ich mich hier besonders auf die Mädchen beziehungsweise Frauen:
Wenn ein Mädchen im Haus das Alter von dreizehn, vierzehn oder fünfzehn Jahren erreicht, dann ist das ein Alter, in dem entweder der Gute Einfluss auf sie gewinnt oder der Schlechte Einfluss auf sie gewinnt.
Glaube nicht, dass das Gute allein durch ein einziges Wort in ihr verankert wird – mitten in einer Gesellschaft voller falscher Einflüsse, die oft den Gefühlen und der Psyche eines Jugendlichen entsprechen.


Du musst Zugang zu ihrer Psyche/Gefühle finden. Ein Mädchen hat bestimmte Bedürfnisse.

Sie braucht z.B. Lob für ihre Zierde. Sie braucht Lob für ihr Aussehen. Sie braucht Lob für ihre Worte. Sie braucht, dass manche ihrer Wünsche erfüllt werden. Sie braucht Begleitung von einem Zustand in einen anderen. Man muss sie von bestimmten Überzeugungen überzeugen und ihr gleichzeitig in manchen Dingen entgegenkommen.
Du musst mit ihr an ihren Interessen teilnehmen. Sie interessiert sich für bestimmte Dinge. Vielleicht sind es Dinge, bei denen die Menschen jemanden tadeln würden, wenn er sich dafür interessiert. Doch wenn es um die Behandlung und Verbesserung dessen geht, was im Haus geschieht, dann ist das nicht tadelnswert.
Deshalb beschäftigst du dich mit ihren persönlichen Interessen – mit den Dingen, die ihr das Gefühl geben, dass du ihre Interessen teilst. Danach kommen die Lenkung und Erziehung nach und nach.
Das erzeugt Freundschaft und Bindung zwischen dem Bruder oder dem Vater und diesem Mädchen, das das Jugendalter erreicht hat.
Manche Väter in den Häusern sind religiöse und rechtschaffene Männer, voller Gutem. Dennoch geschehen in ihren Häusern Dinge, die nicht gut sind. Zu den Ursachen dafür gehört, dass sie sich nie wirklich um den Jungen oder das Mädchen gekümmert haben. Sie haben sich nicht mit ihnen beschäftigt, nicht mit ihnen über ihre Probleme oder über das gesprochen, was in ihrem Inneren vorgeht.
Jeder Mensch hat Wünsche. Manche Wünsche können verboten sein. Manche Wünsche können unvernünftig oder falsch sein. Aber dennoch musst du das aus ihnen herausholen. Denn wenn du es nicht aus ihnen herausholst, dann werden es die Freunde tun und die Freunde werden ihre Ratschläge erteilen und sie lenken.
Und wenn schlechte Freunde und schlechte Gefährten anfangen, Einfluss zu nehmen und sie zu lenken, dann kann vielleicht etwas geschehen, was keineswegs lobenswert ist.


Deshalb ist es wichtig, dem Haus Zeit zu geben.

Und wenn du dem Haus Zeit gibst, dann entsteht die Möglichkeit, mit ihnen in die Dinge einzutreten, die du möchtest.

Dies ist die Dawah. So wie du weißt, dass du Menschen außerhalb des Hauses nicht ohne Zeit beeinflussen kannst, so kannst du auch das Haus selbst nicht ohne Zeit beeinflussen.

Der dritte Punkt ist: Jedes mögliche Mittel, das zum Guten führen, ins Haus zu bringen – etwa gute und nützliche Tonaufnahmen, bestimmte Bücher, besonders Bücher über Adhkar, Ermahnungen und nützliche Werke, die Behandlung gewisser Probleme enthalten. Ebenso vertrauenswürdige und gute Zeitschriften, die manche Probleme behandeln.

Lege diese Dinge einfach ins Haus. Ohne Zweifel werden sie lesen, und allein durch das Vorhandensein dieser Dinge wird eine gewisse Wirkung entstehen – nicht dadurch, dass man ihnen diese Dinge aufzwingt.


Quelle:
Silsilah al-Muhadarāt al-'Ilmiyah 5/54-59 Muhādarah: Kaifa tad'u ilā Allah